Peter Gabriel zum 60ten! Sein neues Album "Scratch my back" ist gerade rausgekommen.

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Sonntag, 14. Februar 2010

review Boiler: Alles und nichts

Boiler gibt es viele. Selbst in Germanien gibt es derer... es gibt viele. Woher diese Band hier kommt, kann ich nicht genau sagen. Ich vermute, aus dem Hessischen. Letztendlich ist es auch ziemlich egal, denn gute Musik setzt sich (meistens) durch. Und dann fragt keiner mehr nach einer geographischen Herkunft. Für die „Alles und nichts“-Boiler könnte der Weg dahin allerdings ein langer, wenn nicht gar unendlicher, werden. Das Debüt-Album ist professionell aufgemacht, und der Sound bläst dir an geeigneten Stellen auch schnell den Kopf vom Strunk. Die Songs bieten einen Mix aus DeutschRock, Metal, Neuer Deutscher Härte und NDW, der sich meinerseits erstmal irgendwelchen direkten Vergleichen entzieht. Natürlich kann man hier und da Ähnlichkeiten feststellen, aber Boiler sind schon darum bemüht, etwas Eigenartiges zu erschaffen. An und für sich sollten diese Umstände eigentlich ausreichen, um „Alles und nichts“ eine gute Note zu verpassen. Leider aber versteht es das Quartett nicht, aus den vorhandenen Zutaten ein lecker Süppchen zu kochen, das auch noch nach der dreiviertel Stunde Laufzeit sättigt. Rein instrumental überzeugt das Debüt sicher. Aber die meisten der elf Tracks sind gleichförmig im Ablauf, Hooklines finden sich wenig, der Gesang wirkt zum großen Teil aufgesetzt hart, der Sprechgesang ist abtörnend und die Texte (komplett deutsch, deshalb ohne Umwege erfaßbar) erscheinen mir manchmal infantil, inhaltlich schwer nachvollziehbar und gelegentlich gar peinlich. Hier ist noch viel Arbeit zu tun. Moving Magnet

Mittwoch, 10. Februar 2010

review Alicate: World of anger

Solide Hardrock/AOR-Songs liefern die Schweden Alicate mit ihrem, wenn ich das richtig verstanden habe, DebütAlbum „World of anger“ ab. Typische SpätStarter – denn Alicate gibt es, mit sechzehnjähriger Pause über den Jahrtausendwechsel, bereits seit 1985. Und genau da sind Jonas Erixon (voc, git), Fredrik Ekberg (bass, bvoc), Jesper Persson (dr) und Glenn Ljungkvist (keyb) musikalisch stehengeblieben. Das muß nichts Schlechtes heißen oder sein. Ist es auch nicht, und die zwei Handvoll Tracks plus Intro dürften Liebhabern von Acts wie Europe oder Magnum gut gefallen. Hier stimmen Abwechslung, Technik und OhrwurmQualitäten. Schade nur, daß sich Alicate mit zunehmender Spielzeit auf Balladen, Schmalz und Pathos verlassen (Until the end, Hello, Don't shut me out). Dazwischen ist „Ain't the place to be“ ein echter Kracher. Im übrigen sollte man die Platte bis zum Ende laufen lassen. Denn dort haben die Schweden mit „Farewell“ den besten, weil so anders klingenden Song versteckt. ForestRecords

Dienstag, 2. Februar 2010

review Witchmaster: Trücizna

Okay, Leute, ich will's mal ganz kurz machen. Witchmaster sind sowas wie 'ne polnische AllStar-Truppe, mit Mitglieder von Vader, Profanum, Christ Agony und weiß der Teufel was noch alles. Quasi das FreilaufGelände für die SchrottTakte, die den Brüdern so aus dem Hirn tropfen, eine Spielwiese. Von daher will ich mit „Trücizna“ (Gift) nicht zu hart ins Gericht gehen. Sicher sind die Riffs, die Vocals, das fast corige Geschredder, das ganze Drumherum dieser BlackThrash-Scheibe reinstes Klischee und anderswo schon tausendmal gehört und zur Genüge verrissen oder verehrt worden. Aber – sollen sie doch. Wenn's ihnen Spaß macht. Und wenn der eine oder andere Dollar rüberwächst – bitteschön. Es gibt wesentlich schlechtere Scheiben. Daß es auch viele bessere gibt, wissen Witchmaster bestimmt selber. Anspieltipps: Back to the bunker, Total annihilation. agoniarecords.com/ibexmoonrecords.com

Sonntag, 24. Januar 2010

review Murder Therapy: Symmetry of delirium

Murder Therapy sind noch ganz grün hinter den Ohren und schicken sich mittels ihres Debüt-Albums an, die Frickel-Fraktion um ein vielversprechendes, italienisches Quintett zu erweitern. Wie gesagt – vielversprechend. Also hoffnungsvoll. Denn „Symmetry of delirium“ zeigt viele gute Ansätze und wütet auch recht gnadenlos im Gedärm. Nur will der Funke noch nicht so ganz überspringen. Und das liegt einzig und allein daran, daß sich Murder Therapy nicht auf eigene Stärken verlassen, sondern mehr oder weniger ihre Lieblingsbands „nach“spielen. Als da wären Suffocation, Hate Eternal, Meshuggah und Dying Fetus. Außerdem ist es wenig erfreulich, daß das Album nur durch eine blödsinnige, fast fünfminütige Geräuschkulisse am Ende auf eine gerade halbstündige Spielzeit kommt. Keine Ideen mehr? Männer, ihr habt doch Songs wie „Staring at the zodiac“ oder „Tales of the bizarre“ geschmiedet. Von der Sorte müssten doch mehr zu machen sein, oder? Euer Death Metal ist wuchtig. Die Technik hat's in sich. Und auf den Metalcore-Zug wollt ihr auch nicht aufspringen. Also – mehr Experimentierfreude zeigen, dann wird das nächste Album euer Durchbruch. deitydownrecords.com



Donnerstag, 14. Januar 2010

review The Ghost Rockets: s/t

Das selbstbetitelte Debüt der Schweinfurter Band rockt mit „Morphosis“ ganz gut los und hält das Niveau auch einigermaßen über die gesamten zwei Handvoll Songs. Weniger mit annonciertem Hardrock und Stoner, dafür umso mehr im Bereich Alternative. Für alles andere sind The Ghost Rockets einfach zu sauber. Gerade weil die Kerle schon Erfahrungen in verschiedenen Bands (unter anderem Punk und Hardcore) gesammelt haben, hatte ich mir von diesen achtunddreißig Minuten wesentlich mehr versprochen. Fest steht, daß wir hier eine Band haben, die live ganz sicher abgeht wie'd Sau. Songs können The Ghost Rockets schreiben, und die Instrumente beherrschen sie auch zweifelsfrei. Auf dem kleinen Silberling klingt das alles aber handzahm. Für Hardrock fehlt's an „hard“, für Stoner an Dreck. Hier und da blitzt der Anspruch mal durch, besonders in den kürzeren Nummern (Sunchild, Aurora Borealis), das Gros des Materials haut mich aber nicht wirklich vom Hocker. dancinginthedark.de

Montag, 11. Januar 2010

review Hod: Serpent

Schön zu hören und zu sehen, daß das OldSchool-Geballer immer wieder frische Anhängerschaften um sich scharen kann. Zwar sind die Mannen hinter Hod (nix schweinisches, auch keine Abkürzung, nur der englische Name des nordischen Gottes Hodur) eher alte Hasen auf der Bühne, das Orchester selber ist aber erst 2006 gegründet worden. Und stellt der Szene mit „Serpent“ ein gut halbstündiges Debüt vor. Inhaltlich paßt bei dem nur sieben Song starken Werk eigentlich alles: die Attitüde, die Atmosphäre, der Sound. Roh, kalt und bösartig wie zu alten Morbid-Angel-Zeiten rumpeln „Demoralizer“, „Black rites“ oder „Harbinger of death“ aus den Lautsprechern. Aber selbst dem neueren Kram in Sachen Death, Black und Thrash Metal sind Hod nicht ganz abgeneigt, zieht man sich etwa „God of darkness and winter“ oder „Nine days“ rein. Zumindest in dieser Richtung ist also für Abwechslung gesorgt – Retro hin oder her. Das ganze Teil ist so gesehen Räude und Pest pur. Kein Anspruch auf Innovation, aber HeadBang-Garantie sondergleichen. Und das kann ja manchmal ausreichen. Wenn es Hod in Zukunft noch hinkriegen, die kleinen technischen Stolpersteine aus dem Weg zu räumen, die Übergänge in den Songs etwas flüssiger und noch ein, zwei Highlights á la „Demoralizer“ mehr zu bringen, dann kann es richtig gut werden. ibexmoonrecords.com

Dienstag, 5. Januar 2010

review Il Grande Scisma D'Oriente: Synesthesia

Ich sach' nur: Italien! Nur dringt hier kein Schwulst Metal an meine gepeinigten Lauschlappen, auch kein operettiges SchwarzEisen. Das römische Quartett mit dem großkotzigen Namen, der sich (nehm ich an) auf die Kirchenspaltung im elften Jahrhundert bezieht, ist ein echter Frischling und macht gleich mal einen auf progressiv. Irgendwann im lausigen Sommer 2008 gegründet, lassen Il Grande Scisma D'Oriente fünf Tracks innerhalb von ziemlich genau dreiundzwanzig Minuten durch den Laser tanzen und verbreiten dabei reichlich Opeth-Atmosphäre. Vergleiche hinken, meistens. Und die Akerfeldt-Truppe gehörte noch nie zu meinen Faves. Aber sei's drum. Die Italiener machen ihre Sache nicht schlecht. Sieht man von den zwei kurzen, rein instrumentalen Zwischenstücken („Synesthesia I“, „Hypnagogia I“) ab, erwarten den Hörer drei wenigstens sechs Minuten lange, abwechslungsreiche, wenn nicht gar ausgeklügelte Kompositionen, die sich hauptsächlich auf einer TodesBlei-Basis austoben. Diese wirkt insbesondere durch den Gesang stark angeschwärzt und hebt sich dadurch wohltuend vom sonst üblichen, eher süßlich angelegten AnspruchsProg ab. Lediglich in den ruhigeren Parts, wenn zudem noch der wenig überzeugende cleane Gesang seinen Auftritt hat, erscheint das Material eher durchschnittlich. Il Grande Scisma D'Oriente sind nicht zu kompliziert, nicht zu intellektuell, als daß nicht auch ein „Normal“Verbraucher das eine oder andere Ohr riskieren könnte. Ob dieser Fakt nun Absicht oder der StilFindung geschuldet ist, wird die Zukunft zeigen. Instrumentaltechnisch und kompositorisch ist die Truppe jetzt schon mit ihren Frickeleien und den schweren GitarrenWänden auf hohem Niveau unterwegs. Außerdem ist dieses erste Lebenszeichen mit einem top-produzierten Sound ausgestattet, was das „Wagnis“ reduziert.

Donnerstag, 31. Dezember 2009

review Dunkelwerk: Höllenbrut

Zum Datum passend mal was (für mich) Neues: Endzeit Electro. Unter diesem Label macht Losttrooper seit rund sechs Jahren mit seinem StudioProjekt Dunkelwerk laute und düstere, elektronische Musik. „Höllenbrut“ ist das zweite Album nach „Troops“ von 2005, bei dem sich der Macher ob des Konzepts (Zweiter Weltkrieg) wieder mal dem Vorwurf, faschistischer oder faschistoider Ideologie Vorschub zu leisten, ausgesetzt sah. Das Ganze erwies sich, untermauert in zahlreichen Interviews, als grundlos, und mit dem aktuellen Zwölf-Track-Werk geht Dunkelwerk jeglichen Angriffen aus dieser Richtung von vornherein aus dem Weg. Hier gibt’s dann schon mal einen Song über Schneewittchen („Fairest of all“). Vielleicht ist das ein Grund dafür, daß „Höllenbrut“ etwas der Biß fehlt. Sowohl textlich wie auch musikalisch. Einiges, wie das gerade erwähnte „Märchen“Lied oder „Grabgesang“, plätschert doch recht harmlos durch die Gehörgänge und lebt eigentlich nur von den Beats. Die Intentionen sind klar, können aber, das beweisen andere Tracks, wesentlich eindringlicher umgesetzt werden. Dort, wo DarkElectro und EBM in treibende Takte gesteckt wurden. Es muß nicht unbedingt plakative, schnelle Aggression wie beim Opener „The majesty of vengeance“ oder „Croatoan“ sein. Auch eher erzählende, atmosphärische Sachen wie „Ungethuem“ und „Your love“ haben einen starken Reiz, der wie bei allen Stücken der Scheibe durch die abwechselnde Nutzung der deutschen und englischen Sprache mit einer kaum, wenn überhaupt, verfremdeten Stimme noch vertieft wird. Tanzbar ist das meiste auf „Höllenbrut“, herausragend sind insgesamt „Wolves and nightingales“, „Mehr Licht“ und „Der Kapitän“. alfa-matrix.com

Sonntag, 27. Dezember 2009

review Galaxy Safari: Star of the masquerade

StonerRock aus Schweden? Das ist so ungewöhnlich auch nicht, obwohl die „Großen“ der Szene eher aus dem Reich der unmöglichen Beschränkheiten kommen. Lassen wir aber Galaxy Safari den Spaß. Sollen sie versuchen, im Konzert der Etablierten mitzumischen. In diesem Falle nimmt man es, laut MySpace-Seite, mit Queens Of The Stone Age, selbstverständlich Kyuss, Motörhead und diversen anderen, namhaften „Vorbildern“ auf. Jetzt hab ich die Scheibe, etwas über eine halbe Stunde Laufzeit mit zehn Songs, durchgehört und zwei grundlegende Schwierigkeiten zutage gefördert. Da ist zum einen die Tatsache, daß sich das SchwedenQuartett den Luxus erlaubt, seine Tracks fast nur auf Referenzen aufzubauen und Originalität kaum zum Tragen kommt. Zum anderen ist die Schublade „StonerRock“, meiner bescheidenen Meinung nach, nicht wirklich richtig gewählt. Ob nun vorsätzlich oder fahrlässig, von Band oder Label, sei mal dahingestellt. „Star of the masquerade“ kommt primär viel zu gutlaunig und locker-flockig rüber, als das es ein zähe Riffs und psychedelische Atmosphären erwartender Fan tolerieren könnte. Zudem ist das Songwriting trotz vielfältiger Einflüße einfach zu kontrastarm. Nach dem zweiten Durchlauf würde ich, wenn überhaupt, dieses Debüt-Album eher einer HardRock/Alternative-Hörerschaft anbieten wollen. Straightes, aber im wesentlichen eindimensionales Gerocke ohne EarCatcher und WiedererkennungsWert. granatrecords.se

Samstag, 26. Dezember 2009

review Goreaphobia: Mortal repulsion

Hier stellt sich wiedermal die Frage nach dem „Warum“. Warum brauchten Goreaphobia Jahrzehnte für ein DebütAlbum? Warum wurde „Mortal repulsion“ jetzt und überhaupt veröffentlicht? Oder andersrum: Braucht diese Welt diese Scheibe? Wie man's betrachtet. Aus der Sicht von Label und Band wird dieser ZwölfTracker seine Berechtigung haben. Insbesondere dem einzig verbliebenen GründungsMitglied, Basser und Sänger Chris Gamble, sei eine gewisse Genugtuung zugestanden. Nach all dem Theater und HinUndHer, bei dem es im LineUp wie auf der Hauptpost zugegangen sein muß. Aber sei's drum – nicht alles, was lange währt, wird auch automatisch gut. Denn aus VerbraucherSicht, als TodesMörtelKonsument, hockt man vor den Boxen, zieht die Augenbrauen hoch und zuckt schlußendlich mit den Schultern: Hmm, was soll's. „Mortal repulsion“ gräbt tief an den Wurzeln des amerikanischen Death Metals und wäre dementsprechend vor fuffzehn Jahren ein Aufreger gewesen. Inzwischen hat die MetalWelt tausende dieser Bands gesehen, die halbwegs abwechslungsreiches Songwriting mit fies-schleppenden Abschnitten, Groove, Uptempo-Prügeleien, einem annehmbaren Grunzbolzen und geradliniger, nicht allzu technischer InstrumentenBehandlung zu verbinden wußten. Sah sie kommen und gehen. Und immer noch ab und an auftauchen. Man braucht Goreaphobia nicht wirklich. Ärmer wär die Szene dennoch. AnspielTipp ist „Ascending into vices“. ibexmoonrecords.com

Mittwoch, 16. Dezember 2009

review Dawn Of Demise: Lacerated

Ein Fall für die Ich-muß-alles-haben-Fraktion: Im Vorfeld der im Januar erscheinenden zweiten Full-Length schicken Deepsend Records diese EP der Dänen Dawn Of Demise ins Rennen. Darauf befinden sich neben drei CoverSongs (Suffocation, At The Gates plus Obituary's „Turned inside out“ als Highlight) und zwei Videos lediglich zwei neue Tracks - „Extinction seems imminent“ und „Ridden with disgust“. Schlecht ist das alles nicht. Die FremdKompositionen werden ziemlich nah am Original gespielt, wobei dort im Nachhinein auffällt, daß Dawn Of Demise besonders die Art, wie Suffocation den Death Metal durch den Äther jagen, mögen. Nicht als KopierVorlage, sondern als Inspiration. Die Dänen jedenfalls haben einen erbarmungslosen Grunzer am Mikro stehen und dazu fette Riffs im Programm, die sie dem Hörer mit Vorliebe mittelschnell und groovend auf die Schädeldecke knallen. Und statt ellenlanger MelodieVorträge wird hier und da ein zackiges Solo intoniert – fertig ist ein brutales Gebräu, das die Matten kreisen läßt. Ob man dieses „kleine“ Werk hier nun um jeden Preis haben muß, darf bezweifelt werden. Das nächste Album sollte aber schon mal ins Auge gefaßt werden. deepsend.com

Dienstag, 15. Dezember 2009

review Epidemic Scorn: Psycho gourmet

Zwei Sachen haben sich geändert bei Epidemic Scorn. Erstens ist das Line-up massiv umgestellt worden. Ein Gitarrist (Flathi) und Drummer Alex haben die Band verlassen. In deren Sog sind gleich zwei neue SechsSaitenQuäler, ein zusätzlicher Schreihals und selbstverständlich ein frischer Schlagwerker ins Gemenge gerutscht. Dementsprechend sind die Erzgebirgler seit April 2008 als Septett zugange und lassen mit „Psycho gourmet“ sechs neue Songs in der neuen Besetzung hören. Zum zweiten, und das ist das, was mich an dem als Demo deklarierten Rundling stört/ärgert/wundert, sind Epidemic Scorn vom breitgefächerten Songwriting der letzten Scheibe „System of sickness“ (2007) abgerückt. Leider, und unverständlicherweise. Denn haben Jörn Gallert & Co. dortselbst einen leicht progressiven, mit Thrash getränkten, break-lastigen, ideenreichen und verspielten Death Metal gezockt, ist davon in dem neuen Material wenig zu hören. Versteh ich nicht – drei Gitarristen, zwei Sänger und dann „nur normaler“ TodesMörtel? Kaum Experimente, keine Widerhaken, selten Hooklines. Ich als instrumentaler NullChecker habe eh Schwierigkeiten damit, die drei Gitarren auseinanderzuhalten. Von daher geben mir die eine oder andere Finte und Finesse wenig. Bei den aufgedoppelten Brüllwürfeln sieht das natürlich anders aus. Was ich sagen will: Da wäre einfach weit mehr drin gewesen. Aber auch das: Wer einfach nur brutalen Death Thrash Metal mit technischem Anspruch genießen möchte, der wird hiermit bestens bedient. Soundtechnisch ist dieses Demo sicher besser geraten als das letzte Album. Aber inhaltlich können und dürfen Epidemic Scorn mit „Psycho gourmet“ nicht zufrieden sein. AnspielTipps: TitelTrack, „Journey thru life“

Sonntag, 13. Dezember 2009

review Devious: Vision

„Vision“ ist das dritte Album der Holländer, die nach dem Zwischenstopp von Sänger Coen Tabak auf dem Zweitwerk „Domain“ seit Sommer 2008 wieder mit UrFronter Arnold Oude Middendorp unterwegs sind. Der Gesamtauftritt der Band hat sich deswegen aber nicht großartig geändert. Zwar ist der neue alte Shouter dem Vorgänger nicht wirklich ähnlich, da aber das Material eh mehr auf die Wirkung von Gitarren und Drums setzt, spielt das nicht die große Rolle. Mir gefiel Coen mit seiner abwechslungsreicheren Stimme dennoch besser. Aber sei's drum, diese acht Songs hier sind im Vergleich zu „Domain“ von 2007 sowieso kein Fortschritt. Eher geht’s ins Gegenteil, denn Devious bringen zwar ihre „Trademarks“, sprich hoher TechnikFaktor plus Melodik und Eingängigkeit, auch hier wieder ein, kriegen es aber meiner Meinung nicht hin, ihre Tracks über die gesamte halbe Stunde interessant zu halten. Vielmehr steht der überwiegende Teil des Materials statisch in der Gegend rum und groovt vor sich. Daß der Death Metal des Fünfers mit diversen ThrashZitaten, gelegentlichen BlackMetalAmbitionen, KeyboardEinlagen und weiblichen GesangsParts angereichert wurde, mag stellenweise ganz nett anzuhören sein, entbehrt aber der Wirkung, den Stoff abwechslungsreicher zu machen. Vielmehr wird nur die Griffigkeit der Songs erhöht und der Wert des Ganzen minimiert. Anstatt konsequent die technisch orientierte Schiene, mit Auflockerungen hier und da, zu fahren, läßt man einen AllerweltsSound zu. Schade. deitydownrecords.com

Freitag, 11. Dezember 2009

review Nazxul: Iconoclast

Nazxul (oder möglicherweise nur die PromoMenschen ringsherum) machen jede Menge TamTam um ihr neues Album. Da wird auf den Putz gehauen, daß es nur so kracht und staubt. Das ist meistens verdächtig und entlockt altgedienten Rezensenten nur ein müdes Lächeln. Was einem dann aber doch recht schnell wieder entfleucht und einem ebenso erstaunten wie erfreuten Grinsen Platz macht. Denn Nazxul, vor sechzehn Jahren in Australien aus dem Boden gestampft, machen das in letzter Zeit scheinbar unmögliche und bis dato hauptsächlich von skandinavischen Bands mehr oder minder gelungene Experiment wieder hörenswert: guten (!), aufregenden, düster-epischen Black Metal mit Keyboards. Das südkontinentale SechserPack bringt sogar derer drei im Line-up mit sich und versinkt trotzdem nicht im Schmalz und Stumpfsinn pseudointellektueller und künstlich-aggressiver Melodramatik. Ob man sich für ein solches (im besten Sinn) TeufelsWerk nun zehn Jahre Zeit lassen muß, ist zweifelhaft. Aber gelohnt haben sich die Arbeit der Band und das Warten der Fans in diesem Fall definitiv. „Iconoclast“ besticht in seinen vierzehn Songs mit durchdachten Strukturen, die allen Instrumenten den gleichen Raum lassen, die weder überaggressiv aus den Boxen fliegen noch längerfristig in Ruhe verharren, die großartige, majestätische Atmosphären erschaffen und den Hörer in okkulte Zeiten und Räume führen. Alles, was Nazxul hier anbieten, ist perfekt aufeinander abgestimmt – das harsche, schwarzmetallische Wüten, die symphonischen Elemente, der epische Bombast, die melodischen und doch kalt sägenden Gitarren, das bösartige, variable Fauchen des Frontmanns, das vielarmige und eindringliche Hämmern des Schlagzeugers. Es dürfte wirklich schwer sein, sich als Black-Metal-Fan der opulenten musikalischen Gewalt eines „Iconoclast“ zu entziehen. Empfehlenswert. eisenton.de

Dienstag, 8. Dezember 2009

review Expulsion: Wasteworld

Boah ey, Expulsion lassen es aber unbarmherzig krachen. Mit ihrem Debüt legen die fünf Mannen, die sich nur per Initialen zu erkennen geben, ein Scheibchen auf den Tresen, das Thrash-Liebhabern einen wohligen Schauer über den Rücken jagt. Der ZwölfTracker strotzt vor Energie, die mit hohem, spieltechnischem Aufwand in den Äther gedrückt wird. Auf „Wasteworld“ regieren Geschwindigkeit, inclusive reichlicher Wechsel, und Ideenreichtum. Hier und da vermißt man im Sound etwas den Kesseldrescher, der sich brutal ins Zeug legt, aber gegen die Gitarren und den Brüllwürfel nur gelegentlich ankommt. Ansonsten sägt hier ein halbstündiges Opus durch's Unterholz, welches kaum Wünsche offen läßt. Wenn es die Band nämlich zukünftig noch versteht, die manchmal nervig episch-ausgewalzten SoloEskapaden und DuellSpielereien auf ein Optimum zu senken, dürfte etwas Großartiges heranwachsen. Bezeichnen wir „Wasteworld“ als sehr starken Einstand einer vielversprechenden Truppe aus Holland. Mehr muß man nicht sagen. Kurz und gut: Empfehlenswert. deepsend.com

Donnerstag, 3. Dezember 2009

review Gastric Ulcer: Redundant

Nicht mal zwanzig Minuten läuft die aktuelle Scheibe des Vorarlberger Trios Murnig/Kühnis/Rusch. Trotzdem schafft es das Teil auf sieben Tracks und jede Menge Spaß. Wenn man Death Metal mag. Die Vorlieben müssen dabei nicht mal speziell sein. Gastric Ulcer wissen teilweise OldSchoolern zu gefallen, prügeln sich aber zumeist auf moderne Art und Weise durch die Lauschlappen der Kundschaft. Gewisse NebenSchauplätze, sprich Core-Auswüchse und ThrashMetallisches, mögen vorhanden sein, sind aber im Vergleich mit der letzten MCD „Phall if you but will, rise you must“ (2008) eher sporadisch ins Songwriting eingeflossen. „Redundant“, was soviel wie „im Überfluß“ bedeutet, ist also wesentlich direkter. Trotzdem muß besonders das Abfallen von den Mathcore-Tendenzen fast schon schmerzlich konstatiert werden. Zwar bemühen sich Gastric Ulcer nach Kräften, die Songs interessant zu halten, aber so ganz will es nicht gelingen. Brutal sind die Stücke allesamt, ins Ohr gehen sie auch, aber das Spezielle fehlt mir. Etwas Verzwicktes, Kompliziertes. Ein bißchen flitzefingrige Saitenhexerei zwischendurch reicht nicht, um sich wirklich von der Masse abzuheben. Jungs, da war von euch schon mal besser zu hören als etwa das stumpfe Gepolter wie in „Individualized to conformity“. „A Biedermeier society“ oder „The death of apathy“ haben da schon eher Charakter.

Montag, 30. November 2009

review Fferyllt: Dance of druids

Seltsamer Name, oder? Laut encyclopedia.com ist er eine walisische Ableitung von Vergil, einem römischen Dichter, und kommt in der keltischen Mythologie vor. Und Fferyllt, also die Band, kommt aus Rußland. Und macht Folk Metal. Oder Folk Viking. Wie ihr wollt. Aber immer hübsch melodisch und symphonisch. Wie's halt gerade so angesagt ist. Also, nicht daß die Mann- respektive Frauschaft (einschließlich GastMusiker sind's acht Männlein und drei Weiblein) ihre Sache generell schlecht machen würde. Das elf Song starke Werk mit fast einer Stunde Laufzeit ist abwechslungsreich gestaltet und beinhaltet alle typischen Trademarks. Und das war's dann auch schon. Wer eh auf so Zeug steht, kann „Dance of druids“ ja mal ein Ohr leihweise überlassen. Da gibt’s sogar einen EnsiferumKoffer („Lai lai hei“) obendrauf, und man versucht sich an Eluveitie's „Inis Mona“. Wer dann noch über das fürchterliche Schlagzeug aus der Retorte, die ebenfalls nur durchschnittliche männliche Singstimme, sprich Growls, und den stellenweise übertrieben theatralischen, weil größtenteils doch sehr angenehmen, weiblichen Gesang hinwegsehen kann, bekommt ein gutes Album. stygiancrypt.com

Freitag, 27. November 2009

review Acylum: The enemy

Ich hab mich vor dieser großspurigen „Rezension“ hier ja mal schlau gemacht über Acylum. Will ja nicht ganz blöd sterben. Deswegen weiß ich jetzt, daß es das Chemnitzer Projekt seit 2004 gibt, es momentan aus Pedro Engel und Nadine Hagenbeck besteht und „The enemy“ das dritte Album ist. Und die ganzen Animositäten um das Thema, wer denn nun wen rausgeschmissen oder verlassen hat (Kai Arnold vom Projekt Wynardtage war bis vor kurzem Sänger und Songwriter bei Acylum), gehen mir am Allerwertesten vorbei. Die Diskussion um die Texte ist da schon eher zwei Sätze wert. Schließlich sind diese kontrovers, egal ob's nun um Kindesmißbrauch, Ausländer/ZuwandererProblematik oder RechtsRadikalismus geht. Die Positionen des Machers sind unter Umständen nicht ganz deutlich, wenn man sich etwa „Zyklon-B“ anhört. Aber Acylum deswegen in die Nazi-Ecke stellen zu müssen, ist einfach Blödsinn. Wesentlich unproblematischer ist da der Sound, den das Duo aus den Boxen schleudert. Sofern man nicht gerade auf Andrea Berg und Konsorten steht. Dann könnte es schwierig werden. Denn Acylum stehen für harsche Electro/Industrial-Klänge mit viel ClubPotenzial. GrundRhythmus, Samples und Lyrics sind immer perfekt aufeinander abgestimmt und schlagen als Einheit erbarmungslos und zynisch zu. Hin und wieder bedienen sich Acylum auch mal bei „Kollegen“ wie Eminem („Crazy“) und besonders gerne, so scheint es, bei „American History X“. Die Geschwindigkeiten der Tracks variieren ständig zwischen „chilled“ („Lightning child“, „Drive by“) und Sperrfeuer („Run away“). Langweilig wird das gut einstündige Teil auf keinen Fall, wenn ich auch mit dem teilweise übertriebenen Hiphop-Getue oder GangstaRapper-Schmarrn nichts anfangen kann („...Acylum fickt das Land...“, oder die Abrechnung mit dem Ex-Partner in „Wynard“) und die weibliche Stimme für eher mies halte. Stücke zum Testen sind „Torture tactics“, „Hetzjagd“ und „Crazy“. alfa-matrix.com



Mittwoch, 25. November 2009

review Cryptic Tales: Anathema

Ist noch gar nicht so lange her, da hatte ich das aktuelle Werk der Polen, das Album „VII Dogmata of mercy“, auf dem Tisch. Mittlerweile haben sich Redrum666 Records des Erstlings von Cryptic Tales angenommen und das ursprünglich als Tape veröffentlichte Album auf CD gepresst, inclusive einem recht umfangreichen Multimedia-Bonus. Das Remastern der sechs Tracks ist nicht ganz gelungen, möglicherweise sollte auch der Charme der siebzehn Jahre alten Aufnahmen nicht zu sehr durch Modernisierungen verschlimmbessert werden. Man kann es nur ahnen. Was man aber deutlich hört, ist der Ursprung der Band um Sänger und Gitarrist Piotr Kopko. Und ach, wären sie doch dabei geblieben! Ehrlich, das was Cryptic Tales Anfang der 90er aus den Instrumenten geholt haben, schlägt das heutige Melo-Synth-Black-Metal-Geseier um Meilen. Nun ist „Anathema“ aus heutiger Sicht vielleicht nicht mehr der Überhammer, aber die damalige Wirkung und den Grund für einen gewissen KultStatus, wenigstens in der Heimat, kann man nachvollziehen. Der düster-atmosphärische, grollende Death Metal, mit ein paar Doom-Einsprengseln, kann sich wirklich hören lassen. Cryptic Tales haben richtig gute Ideen, um die durchaus langen Songs auf Spannung zu halten. Mittels der eingestreuten Keyboard-Passagen kann man die spätere Hinwendung zum öden DimBurger-SchwarzBlabla vielleicht ahnen (wenn auch nicht verstehen). Alles andere aber - die KonzertGitarre, die Kontrabass-Untermalung, die derben Growls, die herausstechend klagenden Soli des SechsSaiters, die teils progressiven Strukturen – zeigen Mut zum Experiment, den Willen, etwas Eigenes zu kreieren. Was hätte sich daraus entwickeln können... Dieses Re-Release ist also berechtigt, und den Vergleich mit den heute hochgehandelten Klassikern á la Dismember oder Edge Of Sanity müssen die Polen nicht scheuen. Nur der Sound könnte noch ein, zwei Zacken besser sein. redrum666.net

Montag, 23. November 2009

review Todeskult: Apathy

„Apathy“, das zweite Album von Todeskult aus Nürnberg, ist ein ziemlich zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite darf man dem SechsTracker die reine Wirkung auf die Zielgruppe (Suicide oder Depressive BlackMetaller) gutschreiben. Der geneigte Zuhörer macht in der guten Stunde Spielzeit eine, innerhalb der GenreGrenzen, abwechslungsreiche Fahrt durch Gefühlswelten zwischen Selbsthaß, Leid und Weltschmerz mit. Die selbstverständliche Monotonie wird dabei bis zum Exzeß auf SongZeiten von weit über zehn Minuten ausgewalzt. Das allein wäre nicht weiter schlimm, würden Todeskult es verstehen, die Spannung bis zum Ende aufrechtzuerhalten. Was man hauptsächlich hört, sind relativ schwache Gitarren und danebenher polternde Drums. In diesen minimalistischen Strukturen kommt dem Gesang logischerweise eine große Bedeutung zu – als Übermittler der Texte und Vermittler von Gemütszuständen. Und beides gelingt Neideck als Frontmann nicht wirklich. Daß man die Lyrics nicht versteht, kann man durchaus verschmerzen. Wenn aber die Atmosphäre über monotones Wehklagen nicht hinauskommt, ist das für den Gesamteindruck bitter, wenn nicht gar schädlich. Dem Vergleich mit Nyktalgia oder Shining müssen sich Todeskult vielleicht nicht stellen (wollen) – angesichts der eher eng gesteckten StilGrenzen und der vergleichsweise kleinen Szene wird ihnen aber nichts anderes übrigbleiben. Hat die Kargheit der genannten Bands etwas Anziehendes, wird es bei Todeskult zum langweilenden Trauerspiel. Und soviel Eigenständigkeit bringt man via „Apathy“ eh nicht mit, daß man einer Konfrontation locker aus dem Weg gehen könnte. Ganz abgesehen davon, daß sound- und spieltechnisch noch Luft nach oben ist. Antesten schadet sicherlich nicht, aber mir geben Todeskult nicht viel. eisenton.de